Was leistet das Berner Taubenmanagement für die Stadt?
Wir fragen den Gemeinderat, was das Taubenmanagement der Stadt erspart: Reinigungskosten, Gesundheitsschutz und Schutz der Altstadt. Die Berner Taubenpopulation ist von über 10'000 auf rund 1'500 Tiere gesunken.
Der Gemeinderat wird um Beantwortung folgender Fragen gebeten:
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Welche Kosten entstehen der Stadt Bern jährlich durch die Reinigung und Instandsetzung von Gebäuden, Denkmälern, Brunnen und Haltestellen, die durch Taubenkot verschmutzt oder beschädigt werden – namentlich bei Immobilien Stadt Bern und den weiteren zuständigen Stellen?
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Wie haben sich diese Kosten entwickelt, seit die Berner Taubenpopulation von über 10’000 Tieren in den 1980er- und 1990er-Jahren auf heute rund 1’500 gesunken ist?[1] Falls dazu keine Zahlen vorliegen: Ist der Gemeinderat bereit, sie zu erheben?
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Welche Rolle spielt Taubenkot bei der Verwitterung und Restaurierung der Sandsteinfassaden der Altstadt, und wie oft ist er bei Restaurierungen ein Kostenfaktor?
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Welchen Beitrag leistet das Taubenmanagement aus Sicht der Denkmalpflege an den Erhalt des UNESCO-Welterbes, und ist dieser Beitrag im UNESCO-Managementplan Altstadt Bern berücksichtigt?[2]
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Die betreuten Tauben werden jährlich gegen diverse Krankheiten geimpft und tierärztlich kontrolliert.[1] Wie beurteilt der Gemeinderat den Beitrag dieser Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor Krankheitserregern – und zur Gesundheit der Tiere selbst?
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Welche Bedeutung misst der Gemeinderat dem Taubenmanagement für die Aufenthaltsqualität in der Altstadt und für den Tourismus bei?
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Hat der Gemeinderat den Nutzen des Taubenmanagements je gesamthaft bilanziert – vermiedene Reinigungs- und Instandsetzungskosten, Gesundheitsprävention, Denkmalschutz? Falls nein: Ist er bereit, eine solche Bilanz zu erstellen und sie künftigen Entscheiden über das Taubenmanagement zugrunde zu legen?
Begründung
Bern gilt im Umgang mit Stadttauben als Vorbild. Seit der Gemeinderat die Taubenkontrolle im Dezember 2010 dem Tierpark Bern übertragen hat, ist die Population von über 10’000 Tieren auf rund 1’500 gesunken – betreut in acht Taubenschlägen in der Altstadt und den Quartieren, mit Eierkontrollen, jährlicher Impfung und tierärztlicher Begleitung.[1] Das Konzept wird von vielen Städten in der Schweiz und im Ausland als vorbildlich erachtet: Stadtverwaltungen und Privatinitiativen aus ganz Europa lassen sich die Berner Praxis erklären.[3]
Eine Taube produziert nach Angaben des Tierparks rund zehn Kilogramm Kot pro Jahr.[1] Der Rückgang um 8’500 Tiere bedeutet rechnerisch rund 85 Tonnen Kot weniger – Jahr für Jahr – auf Fassaden, Simsen, Brunnen und Haltestellen. «Früher waren dort alle Busstationen verkotet, heute sind sie sauber», heisst es beim Tierpark Bern über den Schlag beim Eigerplatz.[3]
Betroffen ist damit auch das Wertvollste, was die Stadt baulich besitzt. Die Altstadt ist seit 1983 UNESCO-Weltkulturerbe; die Stadt nennt die Sandsteinfassaden ausdrücklich als Teil der erhaltenen Struktur, deren Fortbestand der Managementplan sichern soll.[2] Der UNESCO-Managementplan Altstadt Bern liegt seit Dezember 2025 vor und soll im Sommer oder Herbst 2026 in Kraft treten.[4]
Was das Taubenmanagement kostet, ist bekannt: Für 2022 wurden die Kosten auf 240’000 Franken beziffert.[3] Was es der Stadt erspart, ist dagegen öffentlich nirgends beziffert – weder die vermiedenen Reinigungs- und Instandsetzungskosten noch der Beitrag an Gesundheitsschutz und Welterbe. Diese Interpellation will die zweite Hälfte der Rechnung beleuchten.
Eckdaten
Erstunterzeichnende: Tobias Sennhauser (TIF), Dominique Hodel (SP), David Böhner (AL)
Mitunterzeichnende: keine
Parlament: Stadtrat Bern
Einreichungsdatum: 03.09.2026
Quellen
[1] https://tierpark-bern.ch/tiere/stadttauben/ [2] https://www.bern.ch/themen/planen-und-bauen/denkmalpflege/unesco-weltkulturerbe-altstadt-bern [3] https://www.derbund.ch/tauben-in-bern-so-sorgt-der-tierpark-fuer-gesunde-tiere-531849182601 [4] https://www.bern.ch/mediencenter/medienmitteilungen/aktuell_ptk/unesco-management-plan-fuer-die-berner-altstadt-liegt-vor