Der Gemeinderat wird um Beantwortung folgender Fragen gebeten:
- Inwiefern kann die Donut-Ökonomie als übergeordneter Orientierungsrahmen zur kohärenten Ausrichtung und Weiterentwicklung bestehender Strategien der Stadt Bern beitragen und welchen Mehrwert bietet sie für die strategische Steuerung und Priorisierung bestehender Massnahmen?
- Ist der Gemeinderat bereit, für die Stadt Bern ein Set von Indikatoren und Zielen zu entwickeln, das soziale Mindeststandards und ökologische Belastungsgrenzen im Sinne der Donut-Ökonomie abbildet und überwacht?
- Ist der Gemeinderat bereit, die Donut-Ökonomie als Entscheidungs- und Monitoringinstrument (z.B. im Sinne eines Impact Assessments) in den Entscheidungsprozessen der Stadtverwaltung zu prüfen und gegebenenfalls einzuführen?
- Wie kann die Anwendung der Donut-Ökonomie in der Stadt Bern als Co-Creation-Prozess mit Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft gestaltet werden?
- Welche konkreten Pilotprojekte (z.B. in den Bereichen Energie, pflanzlicher Ernährung, Beschaffung oder Kreislaufwirtschaft) könnten genutzt werden, um die Donut-Ökonomie praktisch zu erproben?
Begründung
Die Stadt Bern verfolgt bereits heute eine ambitionierte Klima- und Nachhaltigkeitspolitik. Mit dem Klimareglement und der Energie- und Klimastrategie 2035 hat sie sich verbindliche Ziele gesetzt, insbesondere das Ziel, bis spätestens 2045 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.[1] Die Strategie umfasst konkrete Massnahmen in zentralen Bereichen wie Energieversorgung, Mobilität, Kreislaufwirtschaft und Ernährung und versteht die Transformation ausdrücklich als gesamtgesellschaftlichen Prozess.
Gleichzeitig bestehen weitere strategische Instrumente, insbesondere die Rahmenstrategie Nachhaltige Entwicklung der Stadt Bern 2021-2030 (RAN2030). Sie dient als gesamtstädtischer Orientierungsrahmen. Sie verknüpft die Ziele der Agenda 2030 mit 50 Berner Nachhaltigkeitszielen und verbindet verschiedene Politikbereiche wie Ernährung, Klima, Biodiversität, Wirtschaft, Beschaffung und Partizipation. Die RAN2030 basiert zudem auf zentralen Leitprinzipien wie Suffizienz, Transformation und intergenerationeller Verantwortung. Diese zielen darauf ab, Ressourcen verantwortungsvoll zu nutzen, gesellschaftlichen Wandel aktiv zu gestalten und die Bedürfnisse zukünftiger Generationen mitzudenken.[2]
Im Rahmen eines früheren parlamentarischen Vorstosses (2021.SR.000198) hat sich der Gemeinderat bereits mit alternativen Wirtschaftsmodellen befasst und dabei auch die Donut-Ökonomie als Ansatz erwähnt. Die Donut-Ökonomie beschreibt einen sicheren und gerechten Handlungsraum zwischen sozialer Grundlage und ökologischen Belastungsgrenzen, innerhalb dessen sich eine Gesellschaft nachhaltig entwickeln kann. Im Kanton Bern haben sich die Einwohner:innen von Burgdorf, Erlach und Langnau kürzlich entschieden, ihre Gemeinden für ein Donut-Projekt der Umweltorganisation Greenpeace zu nominieren.[3] Weltweit verfolgen über 50 lokale Regierungen eine Donut-Ökonomie.[4]
Eine aktuelle wissenschaftliche Empa-Studie kommt zum Schluss, dass ein gutes Leben für alle grundsätzlich innerhalb planetarer Belastungsgrenzen möglich ist. Die Autor:innen zeigen, dass die Grundbedürfnisse von 8,0 bis 10,4 Milliarden Menschen theoretisch innerhalb ökologischer Grenzen erfüllt werden können. Voraussetzung dafür sind jedoch tiefgreifende Veränderungen, insbesondere ein fossilfreies Energiesystem, eine weitgehend pflanzliche Ernährung sowie der Verzicht auf zusätzliche Umwandlung von Land in Ackerflächen. Zugleich macht die Studie deutlich, dass die grössten verbleibenden Herausforderungen bei den CO2-Emissionen, der Biodiversität sowie den Stickstoff- und Phosphoreinträgen liegen. Gerade in diesen Bereichen könnte ein Modell wie die Donut-Ökonomie helfen, Zielkonflikte sichtbar zu machen und politische Prioritäten klarer zu setzen.[5]
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob ein klarer, übergeordneter Orientierungsrahmen zusätzlich helfen kann, bestehende Strategien über Direktionen und Ämter hinweg systematisch zusammenzuführen und Zielkonflikte sichtbar zu machen. Gerade im Kontext der Energie- und Klimastrategie 2035, die stark auf konkrete Massnahmen und Zielpfade fokussiert, könnte ein solcher Rahmen helfen, die langfristige Ausrichtung zu schärfen, Prioritäten transparenter zu setzen und Fortschritte besser messbar zu machen.
Ziel dieses Vorstosses ist es daher, zu klären, ob und wie die Donut-Ökonomie als praktisches Instrument für die strategische Weiterentwicklung der Stadt Bern genutzt werden kann.
Eckdaten
Erstunterzeichnende: Tobias Sennhauser (TIF), Lukas Schnyder (SP)
Mitunterzeichnende: Lukas Wegmüller, Vera Zotter, Cemal Özçelik, Jacqueline Brügger, Evelyne Grieb … und 4 weitere
Parlament: Stadtrat Bern
Einreichungsdatum: 28.05.2026
Quellen
[1] https://www.bern.ch/themen/umwelt-natur-und-energie/klima/energie-und-klimastrategie-2035
[2] https://www.bern.ch/rahmenstrategie-nachhaltige-entwicklung
[3] https://www.greenpeace.ch/de/happiness/
[4] https://doughnuteconomics.org/stories/doughnut-in-local-governments-a-global-overview
[5] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959652624008953











