Anlass ist ein Fall aus einem Schweinemastbetrieb im Emmental, über den die «Berner Zeitung» im März 2026 berichtete und zu dem Tier im Fokus (TIF) Strafanzeige wegen Tierquälerei einreichte. Die Aufnahmen zeigen ein zitterndes Schwein auf nacktem Boden mit Blutspuren, das sich selbst überlassen wurde. Der Betriebsleiter räumte gegenüber der Zeitung selbst ein: «Dieses Tier hätte ich früher erlösen müssen.» Das kantonale Veterinäramt sprach gleichwohl nur eine Verwarnung aus.
Der Fall wiegt schwer, weil er nicht in einem Vorzeigebetrieb dokumentiert wurde: Ein Hofmitarbeiter ist Zentralpräsident des Schweineproduzentenverbands Suisseporcs und Vorstandsmitglied des Schweizer Bauernverbands; sein Sohn, der heutige Betriebsleiter, sitzt im Vorstand einer Suisseporcs-Regionalsektion. Damit stellt der Fall den behördlichen Vollzug auf den Prüfstand.
«Wenn ein Betriebsleiter selbst einräumt, dass ein krankes Tier zu spät erlöst wurde, und am Ende bloss eine Verwarnung steht, müssen wir über die Wirksamkeit des Vollzugs reden», sagt Susanne Clauss, SP-Grossrätin und Erstunterzeichnerin des Vorstosses. Sie will wissen, nach welchen Kriterien das Veterinäramt zwischen Verwarnung und Strafanzeige entscheidet – und wie viele Kontrollen der Kanton überhaupt durchführt.
Überprüfbar ist das bislang kaum. Der Kanton veröffentlicht keine Statistik zum Tierschutz-Vollzug bei Nutztieren. Wie viele Kontrollen, Beanstandungen, Verwarnungen und Strafanzeigen es gibt, erfährt die Öffentlichkeit nicht. Der Vorstoss verlangt deshalb jährliche Kennzahlen und fragt zugleich, zu welchen Zeiten kontrolliert wird und ob der Veterinärdienst über genügend Stellen verfügt.
«Kontrollen finden zu selten statt, weil den Veterinärämtern schlicht die Ressourcen fehlen», sagt Tobias Sennhauser, Mediensprecher von Tier im Fokus (TIF). «Ein schwacher Vollzug verliert seine abschreckende Wirkung.» Die Organisation hat dazu eine Petition lanciert, die bereits über 14’000 Menschen unterzeichnet haben. Darin verlangt sie unangemeldete Kontrollen als Standard und mehr Ressourcen für die kantonalen Veterinärämter.










