Bern, 28. Juni 2026 – In einem Eierbetrieb am Stadtrand von Bern: Auf dem Stallboden liegt ein Huhn, von dem nur noch das Skelett übrig ist, daneben weitere Kadaver, an denen lebende Hennen picken. Mehrere Hühner stecken mit dem Kopf zwischen den Gittern der Anlage fest und erreichen weder Nahrung noch Wasser – sie starben qualvoll an Ort und Stelle. Die Aufnahmen dokumentieren gravierende Missstände. Publik gemacht hat sie die Tierrechtsorganisation Tier im Fokus (TIF).
«Solche Tiere wären bei einer ordentlichen Stallkontrolle sofort aufgefallen», sagt Tobias Sennhauser, Mediensprecher von Tier im Fokus (TIF). Federnpicken und Kannibalismus sind eine Folge der mangelhaften Haltung, etwa bei zu hoher Tierdichte, ungeeigneten Lichtverhältnissen und fehlender Beschäftigung. Auch die zahlreichen Eier, die am Boden statt in den Nestern liegen, deuten auf ungenügende Haltungsbedingungen hin.
Tier im Fokus (TIF) hat deshalb bei der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht, wegen mehrfacher Tierquälerei nach Artikel 26 des Tierschutzgesetzes. Die Kantonspolizei Bern ermittelt.
Schärfere Tierschutzkontrollen gefordert
Für die Organisation wirft der Fall grundsätzliche Fragen zum Vollzug im Tierschutz auf. Ein skelettierter Tierkörper entsteht über Wochen, nicht über Tage. Eine funktionierende Kontrolle hätte die schwerwiegende Zustände früher erkennen müssen. Hinzu kommt: Es ist innert weniger Monate bereits der zweite Fall, in dem Tier im Fokus (TIF) gravierende Missstände aufdeckt und der kantonale Vollzug zu spät greift: Anfang Jahr dokumentierte die Organisation ähnliche Zustände in einem Schweinemastbetrieb im Emmental.
Mit ihrem Protestbrief für schärfere Tierschutzkontrollen, der Anfang Juni 2026 dem Bundesrat übergeben wurde, verlangt Tier im Fokus (TIF) deshalb grundsätzlich unangemeldete Kontrollen und mehr Ressourcen für die kantonalen Veterinärämter. «Eine angekündigte Kontrolle verschafft die nötige Zeit, um Missstände aus dem Weg zu räumen, bevor jemand hinschaut», sagt Sennhauser.
Ein wirksamer Tierschutz braucht funktionierende Kontrollen. Tier im Fokus (TIF) und die Unterzeichnenden des Protestbriefes forderten deshalb den Bundesrat auf, diese Anliegen in der Agrarpolitik 2030+ zu berücksichtigen und so die Tierschutz-Kontrollen zu verschärfen.










