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Medienmitteilung

MM | Tiertötungen überzähliger Tiere | Tierpark Bern | SR

In Zoos werden immer wieder überzählige, vollkommen gesunde Tiere getötet. Dabei ist die Praxis rechtlich umstritten und Expert:innen kritisieren die Verletzung der Tierwürde. Nun verlangt ein politischer Vorstoss Antworten von der Stadtberner Regierung.

Gemeinsame Medienmitteilung von Tier im Fokus (TIF) und Tier im Recht (TIR)

In mehreren europäischen Zoos haben Tötungen gesunder Tiere in den vergangenen Jahren zu intensiven öffentlichen Debatten geführt, etwa die Tötung der Giraffe Marius im Zoo Kopenhagen oder jene von zwölf Pavianen im Zoo Nürnberg.

Auch im Tierpark Bern werden Tiere aus Gründen des Populationsmanagements getötet. Mit einem Vorstoss im Berner Stadtrat fordert Tier im Fokus (TIF) Transparenz über die Praxis der Tötung überzähliger Tiere im Tierpark Bern. «Es darf nicht sein, dass völlig gesunde Tiere getötet werden», sagt TIF-Stadtrat Tobias Sennhauser.

Tierwürde verletzt

Die Tötung überzähliger Tiere ist auch aus rechtlicher Sicht kritisch zu hinterfragen. Das Tierschutzgesetz (TSchG) schützt die Würde und das Wohlergehen des Tieres. Art. 3 Bst. a TSchG definiert die Würde des Tieres als dessen Eigenwert, der im Umgang mit ihm zu achten ist. Nach Einschätzung von Tier im Recht (TIR) widerspricht die gezielte Tötung gesunder Zootiere aus Gründen der Überzähligkeit dem in der Schweiz gesetzlich verankerten Tierwürdeschutz, da Tiere dabei zu austauschbaren Ressourcen instrumentalisiert werden. In ihrer aktuellen Stellungnahme hält TIR fest, dass der Schutz der Tierwürde jedem einzelnen Tier zukommt und nicht durch Artenschutz-Interessen relativiert werden darf.

«Aus der Tierwürde gemäss Tierschutzgesetz lässt sich ein individueller Lebensschutz ableiten», sagt Gieri Bolliger, Geschäftsleiter von TIR. «Das absichtliche Töten gesunder Tiere aus Managementgründen ist aus unserer Sicht nicht mit dem Tierwürdeschutz vereinbar und daher rechtlich nicht haltbar.»

Tierpark plant «Futtertierzucht»

Der Vorstoss im Berner Stadtrat fragt zudem nach möglichen Alternativen zur Tötung überzähliger Tiere. Der Gemeinderat soll darlegen, welche Optionen geprüft wurden und aus welchen Gründen sie umgesetzt oder verworfen werden. «Wir wollen wissen, welche Alternativen zur Tötung überzähliger Tiere geprüft wurden», sagt Sennhauser.

Die Frage nach dem Umgang mit überzähligen Tieren ist dabei kein Einzelfall. Sie verweist auf ein grundlegendes Verständnis davon, wie Tiere im Tierpark Bern bewertet werden – nämlich primär nach ihrem betrieblichen Nutzen. Kritisch hinterfragt der Vorstoss zudem die in der Gesamtplanung 2023–2033 vorgesehene Futtertierzucht im Tierpark Bern. Dabei sollen Tiere gezüchtet werden, um als Nahrung für karnivore Tiere zu dienen. Diese Praxis wirft grundlegende ethische Fragen auf. «Es ist stossend, wenn Tiere eigens gezüchtet werden, um kurz nach der Geburt wieder getötet zu werden», sagt Sennhauser.

Der politische Vorstoss soll klären, wie der Tierpark Bern künftig mit dieser ethisch umstrittenen Praxis umgeht. Er wurde von Tobias Sennhauser (TIF), Matteo Micieli (PdA), Raffael Joggi (AL) und Anouk Ursin (AL) eingereicht.

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