Irreführende Werbung: Lauterkeitsbeschwerde gegen Proviande gutgeheissen
Die Schweizerische Lauterkeitskommission SLK hat erneut eine Beschwerde gegen Proviande gutgeheissen. Proviande hatte in einer Online-Werbung behauptet, über drei Viertel der landwirtschaftlich gehaltenen Tiere hätten regelmässigen Auslauf ins Freie. In Wahrheit sind es weniger als ein Fünftel.
Gemeinsame Medienmitteilung der Trägerorganisationen der Plattform «Werbemist»: Animal Rights Switzerland, Sentience, Stiftung für das Tier im Recht (TIR) und Tier im Fokus (TIF).
Zürich, 9. Juni 2026. Die Schweizerische Lauterkeitskommission SLK hat erneut eine Beschwerde gegen Proviande gutgeheissen. Proviande hatte in einer Online-Werbung behauptet, über drei Viertel der landwirtschaftlich gehaltenen Tiere hätten regelmässigen Auslauf ins Freie. In Wahrheit sind es weniger als ein Fünftel. Die Trägerorganisationen der neuen Tierschutz-Plattform «Werbemist» reichten deshalb Beschwerde bei der SLK ein und begrüssen den Entscheid.
Im Februar 2026 platzierte Proviande via bezahlter Werbung eine brisante Aussage in der Online-Zeitung Watson: «Über drei Viertel aller Nutztiere profitieren vom Bundesprogramm «RAUS» (regelmässiger Auslauf im Freien) […]». In Wahrheit sind es auf ein Jahr und nach Anzahl Tiere gerechnet nur etwa fünfzehn Prozent. Proviande kam auf ihre Zahl, indem sie in sogenannten Grossvieheinheiten (GVE) rechnete – eine technische Einheit der Landwirtschaftsbranche, die einer Kuh oder 250 Hühnern entspricht. Das ist irreführend, fanden die Tierschutzorganisationen Animal Rights Switzerland, Sentience, die Stiftung für das Tier im Recht und Tier im Fokus, die hinter dem neuen Projekt «Werbemist» stehen, das gegen tierschädliche Werbung vorgeht. Deshalb haben sie im März eine Beschwerde gegen diese Aussage bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission SLK eingereicht.
Ihre Beschwerde wurde Anfang Juni von der SLK vollumfänglich gutgeheissen. Die Kommission empfiehlt Proviande, die Aussage in Zukunft nicht mehr zu verwenden. Proviande hat die Kritik an der Zahl anerkannt und die betreffende Werbung ist in der Zwischenzeit gelöscht worden. «Der Entscheid bestätigt, dass die Aussage in der Werbung ein verzerrtes Bild der Realität vermittelt hat. Die meisten Konsumierenden gehen davon aus, dass die genannte Zahl die tatsächlichen Lebensbedingungen der Tiere widerspiegelt. Sie wissen nicht, dass das ein Ergebnis einer statistischen Berechnung ist, die die Realität deutlich schöner erscheinen lässt.», so die Organisationen.
Werbung von Proviande wurde in der Vergangenheit schon mehrfach von der SLK gerügt. So hatte die Branchenorganisation 2024 behauptet, dass nach Schweizer Recht keinem Tier Schmerzen zugefügt werden dürften, obwohl dies in der Fleischproduktion gang und gäbe ist – und wurde von der SLK dafür gerügt. Auch 2022 und 2018 wurden Beschwerden gegen Proviande teilweise gutgeheissen.
Besonders brisant: Proviande erhält jährlich über fünf Millionen Franken an Steuergeldern vom Bund, um den Absatz von Schweizer Fleisch zu fördern. Für die Tierschutzorganisationen ein Skandal.
Die Tierschutz-Plattform «Werbemist»
Werbemist ist ein Tierschutzprojekt, das sich mit fragwürdiger Werbung in der Schweiz auseinandersetzt. Die Plattform sammelt und analysiert Werbeinhalte, die Zustände in der Tierhaltung beschönigen oder den Konsum von Tierprodukten fördern. Ziel ist es, aufzuklären, zu sensibilisieren und einen realistischeren Blick auf die Tierhaltung und deren Darstellung in der Werbung zu ermöglichen.
Die Plattform ist seit April 2026 online und ein Projekt des Vereins gegen tierschädliche Werbung. Er wurde von den Schweizer Tierschutzorganisationen Animal Rights Switzerland, Sentience, Stiftung für das Tier im Recht und Tier im Fokus ins Leben gerufen.


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