Die Schweiz sagt Ja zur Massentierhaltung
Erfahre mehr über unsere Kampagne zur Volksinitiative gegen Massentierhaltung in der Schweiz. Unser Tätigkeitsbericht.
Seit über 10 Jahren decken wir Missstände in der Schweizer Massentierhaltung auf. Plötzlich redete die ganze Schweiz über das Leid sogenannter Nutztiere – wochenlang. Möglich machte es die Initiative gegen Massentierhaltung von Sentience.
Daumendrücken zur Unterstützung reichte uns nicht. Bereits als die Initiative vor rund 6 Jahren lanciert wurde, standen wir in regem Austausch mit den Initiant*innen. Auch während der Unterschriftensammlung legten wir uns ins Zeug, einzelne TIF-Aktivist*innen steuerten gar über 1000 Unterschriften bei.
Im Abstimmungsjahr legten wir noch eine Schippe drauf und lancierten unsere Kampagne «Offensive gegen Massentierhaltung». Im Abstimmungskampf organisierten wir fast wöchentlich Mahnwachen, Flyeraktionen oder verteilen Briefe in Zürich, Bern und Thun. Dabei arbeiteten wir mit verschiedenen Regionalgruppen der Initiative gegen Massentierhaltung zusammen. Derweil erschien jede Woche eine neue Folge in unserem Podcast «Tier & Haltung».
Ausserdem lancierten wir in Bern eine Plakatkampagne mit realistischen Fotos aus der Schweizer Massentierhaltung. Finanziert wurde das Projekt mit einem Crowdfunding, das doppelt so viele Einnahmen wie erwartet generierte.

Wie erfolgreich unsere Kampagne war, zeigt sich in der gesamtschweizerischen Auswertung des Bundes. Mit 66.1 Prozent Ja-Stimmen weist die Stadt Bern mit Abstand das beste Resultat in der Schweiz vor. Also just jene Gemeinde, wo die meisten unserer Aktivitäten stattfanden.
Mit Bildern politisieren
Ferner unterstützten wir die Initiative mit unseren Recherchen aus der Schweizer Massentierhaltung. Bereits mit unserer Kampagne Arme Schweine (2020) wurde die Initiative in einem Schwerpunkt im Kassensturz diskutiert. Auch unsere Oster-Kampagne Eier-Leier (2022) sowie unsere jüngste Enthüllung Optiqual (2022), publiziert jeweils von der SonntagsZeitung, verwiesen explizit auf die Initiative gegen Massentierhaltung.
Besonders die Optiqual-Kampagne brachte die Fleischlobby arg in Bedrängnis. Nach der Publikation der Missstände in einer Walliser Aufzucht wollten sich verschiedene Medienschaffende selbst ein Bild machen. Doch bei der zuständigen Migros bissen sie auf Granit: Die in der Werbung so kommunikative Detailhändlerin hüllte sich in eisernes Schweigen und verwehrte den Medienschaffenden den Zutritt zu ihren Stallungen. So entstanden zahlreiche Artikel, die die Fleischlobby in ein schiefes Licht rückten, etwa auf Watson oder in der SonntagsZeitung.
Unsere mediale Präsenz zeigt sich in der Auswertung der Berichterstattung: Mit 30 Prozent der Medienartikeln haben NGOs den Abstimmungskampf dominiert, so das Agrarmagazin «die grüne». Zum Vergleich: Der gefühlt omnipräsente Bauernverband kam nur gerade auf 11 Prozent.
Trotzdem erfolgreich
Mit der Niederlage war leider zu rechnen. Der übermächtige Bauernverband gewinnt seit Jahren jede Abstimmung (Ausnahme: das Referendum zum Jagdgesetz). Dazu mobilisiert er mitunter mit grenzwertigen Mitteln. Die Agrarpresse nutzt er etwa zur Meinungsbildung der eigenen Reihen, kritische Artikel gibt es dort so gut wie keine. Und wenn doch, werden sie mitunter postwendend wieder gelöscht, wie Nationalrat und Biobauer Kilian Baumann auf Twitter kritisiert. In einem umfangreichen Artikel haben wir die Blockade-Politik des Bauernverbandes analysiert.
Politisch ist die Niederlage mit der Abstimmung besiegelt. Als Bewegung dürften wir jedoch dennoch profitiert haben. Wochenlang berichteten unzählige Medien kritisch zur Schweizer Nutztierhaltung. Das dürfte tausende Konsumierende verschreckt haben. Ausserdem rekrutierte die Initiative unzählige neue Aktivist*innen, die sich hoffentlich auch künftig für die Tiere einsetzen werden. Die wachsende Unterstützung ist für jede soziale Bewegung von zentraler Bedeutung, schreiben die Autoren von «This is an Uprising».
Wir bleiben dran!
Für uns geht die grösste Kampagne in der Vereinsgeschichte zu Ende, und das, obwohl wir die Initiative nicht selber lanciert haben. Hinter unserer Kampagne standen unzählige Aktivist*innen, die für die Rechte der Tiere kämpfen. Das ist in unserer viel beschäftigten Welt alles andere als selbstverständlich. Ihnen gilt unser riesiges Dankeschön!
Die Niederlage ist für uns freilich kein Grund, Trübsal zu blasen. Bereits haben wir neue Projekte und Kampagnen im Köcher. Nach dem Nein zur Initiative gegen Massentierhaltung brauchen die Tiere umso dringender unseren Support. Sei dabei und unterstütze uns als Mitglied, mit einer Spende oder aktiv! Herzlichen Dank!
Kommentare (6)
Kommentar schreiben
Dein Kommentar erscheint sofort. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Ich bin wahnsinnig dankbar für so mutige Menschen wie Euch! ich wohne in einer intensiv Landwirtschaftszone im Gruyère und erlebe den politischen Druck in so einem traditionellen Dorf hautnah. Die Selbstgerechtigkeit der Menschen, die keine Veränderungen wollen und nicht bereit sind, hinzuschauen, ist für mich ein quälender Druck. Ich hätte nie diesen Mut wie euren, obschon ich schon viele Fälle hier im Dorf dem STS oder dem Veterinäramt gemeldet habe. Allerdings erlebe ich hier von der Bevölkerung grosse Ablehnung, was sehr belastend sein kann und auch meine Ehe erschüttert. Ich lebe seit Jahren vegan und hab auch die Ablehnung meiner Familie und vieler Mitglieder der Kirche durchgemacht. Ich liebe Tiere seit meiner Kindheit wie Menschen und habe von Anfang an in ihnen die lebendigen Seelen erkannt, die Gott schuf und ihre enge Verwandtschaft zu uns.Es ist unglaublich und erschütternd, wie Menschen Tiere ausbeuten und dies verdrängen oder rechtfertigen. Noch einmal 1000 Danke und all meine Bewunderung für eure so wertvolle Arbeit!Ich glaube,dass euer Herz ganz nah bei Gott und Jesus, Seinem Sohn, schlägt, der vehement kämpfte gegen die Selbstgerechtigkeit der religiösen Elite, die nur der Macht und dem Geld diente.Herzliche Grüsse von Carmen Kurt
Gebt den Tieren ein lebenswertes Leben!
SKANDALE ET HONTE !!!!! STOP STOP STOP merci
Vielen Dank für euren riesigen Einsatz! Trotz der Niederlage hat sich der Kampf für die geschundenen Tiere gelohnt und vielen Menschen die Augen geöffnet. Die Zeit ist leider noch nicht reif, dass eine Mehrheit bereit wäre, das Elend der „Nutztiere“ zu beenden. Unser persönliches Beispiel und unsere Ausdauer werden jedoch gewinnen!
Euer Kampf ist richtig und sehr wichtig. Schade, dass die Initiative abgelehnt wurde. Andererseits denke ich aber, dass die bestehenden Gesetze schon gar nicht so schlecht wären, wenn sie nur richtig und konsequent umgesetzt würden. Die Kontrollen der Tierhaltung beispielsweise: Warum finden diese nur alle paar Jahre statt und werden auch noch vorangekündigt? Die zuständigen Personen müssten viel härter beurteilen und durchgreifen.
>“ Der übermächtige Bauernverband gewinnt seit Jahren jede Abstimmung“
Das stimmt nicht. Und ich finde es sehr schade, dass diese Initiative aus ideologischen Gründen über das Ziel hinausgeschossen hat und sich damit überhaupt nicht gelohnt hat.
Macht doch endlich eine vernünftige Initiative, welche die schlimmen Sachen verbietet aber sonst praktikabel ist.