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Medienmitteilung

Präsident von Suisseporcs wegen Tierquälerei angezeigt

Verdeckte Aufnahmen zeigen ein schwer krankes Schwein, das unbehandelt auf hartem Beton liegt. Für den Stall verantwortlich sind führende Exponenten der Schweizer Schweineindustrie. Tier im Fokus (TIF) hat Strafanzeige wegen Tierquälerei eingereicht.

Verdeckte Aufnahmen zeigen ein schwer krankes Schwein, das unbehandelt auf hartem Beton liegt. Für den Stall verantwortlich sind führende Exponenten der Schweizer Schweineindustrie. Tier im Fokus (TIF) hat Strafanzeige wegen Tierquälerei eingereicht.

Ein Schwein liegt reglos auf der Seite auf dem Betonboden eines Stalls im Emmental. Das Tier lebt noch, zittert sichtbar und bewegt nur noch die Vorderbeine, während die Hinterbeine reglos bleiben. Am Boden sind längliche Blutspuren zu sehen, die darauf hindeuten, dass das Schwein zuvor über den Stallboden gezerrt wurde.

Gemäss öffentlich zugänglichen Informationen wird der Betrieb von Simon B. betrieben, unterstützt wird er unter anderem von Vater Andreas B.. Sie sind führende Exponenten der Schweizer Schweineindustrie: Simon B. ist Vorstandsmitglied von Suisseporcs, Andreas B. amtiert als Präsident. Andreas B. sitzt ausserdem im Vorstand des Schweizer Bauernverbands.

«Die beiden Herren haben ihre Vorbildfunktion missachtet, die ihnen als Vorstandsmitglieder von Suisseporcs zukommt», sagt Tobias Sennhauser, Mediensprecher Tier im Fokus (TIF).

Grundlage für die Anzeige wegen Tierquälerei sind umfangreiche Fotos und Videos aus anonymer Quelle, die Tier im Fokus (TIF) zugespielt wurden. Die Metadaten der Aufnahmen datieren auf den frühen Morgen des 17. Januar 2026.

Tote Ferkel im Stall

Die Aufnahmen zeigen weitere Missstände. Ein anderes Schwein hat einen stark ausgeprägten Nabelbruch, der so gross ist, dass er vermutlich ständig am Boden rieb und zu einer offenen Wunde führte. Solche Verletzungen entstehen nicht über Nacht, sondern entwickeln sich über längere Zeit.

«Ein Schwein mit einer offenen Wunde müsste unverzüglich behandelt oder zumindest separiert werden», sagt Sennhauser.

Auch in der Abferkelbucht dokumentieren die Bilder kritische Situationen. Neben einer Sau liegen zwei Ferkel reglos am Boden. Eines der Tiere wirkt bereits tot und zeigt eine bläuliche Verfärbung. Das zweite Ferkel lebt noch, bewegt jedoch nur noch reflexartig die Beine.

«Ein Ferkel in einem solchen Zustand müsste sofort behandelt oder fachgerecht getötet werden, um weiteres Leiden zu verhindern», sagt Sennhauser.

Weitere Aufnahmen zeigen mehrere tote Ferkel, die in drei unbedeckten Eimern gelagert werden. Das widerspricht mutmasslich seuchenrechtlichen Vorschriften. Tier im Fokus (TIF) hat deshalb neben Tierquälerei auch entsprechende Bestimmungen des Tierseuchenrechts zur Anzeige gebracht.

Protestbrief an Bundesrat

Der Fall wirft aus Sicht von Tier im Fokus (TIF) auch grundsätzliche Fragen zum Vollzug des Tierschutzrechts auf. In der Schweiz werden die meisten Tierschutzkontrollen angekündigt. Betriebe wissen dadurch im Voraus, wann kontrolliert wird, und können Missstände kurzfristig kaschieren. Gleichzeitig hat Landwirtschaftsminister Guy Parmelin per 1. Januar 2026 beschlossen, dass Kantone bei einem Teil der Betriebe künftig auf Grundkontrollen verzichten können.

Tier im Fokus (TIF) fordert deshalb eine deutliche Stärkung der Tierschutzkontrollen. «Ein wirksamer Tierschutz braucht Kontrollen, die Missstände tatsächlich sichtbar machen», sagt Sennhauser. «Wenn Betriebe im Voraus wissen, wann kontrolliert wird, verlieren Kontrollen einen grossen Teil ihrer Wirkung.»

Parallel zur eingereichten Strafanzeige hat Tier im Fokus einen offenen Protestbrief an Bundesrat Guy Parmelin lanciert. Darin fordert der Verein grundsätzlich unangemeldete Tierschutzkontrollen und zusätzliche Ressourcen für die kantonalen Veterinärämter. «Wir müssen die Tierschutzkontrollen massiv verschärfen», sagt Sennhauser.

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