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Nutztierhaltung

Das kurze Leben der "Nutztiere"

Kaninchen sind nach 10 Wochen "schlachtreif", Enten nach 3 Monaten, Schweine nach einem halben Jahr, Hühner nach 18 Monaten – oder sie werden als Küken millionenfach vergast. Was immer man unter dem viel zitierten "Wohlergehen" der Tiere verstehen mag: ein langes und möglichst selbstbestimmtes Leben gehört jedenfalls nicht dazu.

Text: Tier im Fokus (TIF)

Das “Wohlergehen” der Tiere wird gross geschrieben in Ländern, in denen der Tierschutz etwas zählt. So auch in der Schweiz: “Wer mit Tieren umgeht, hat für ihr Wohlergehen zu sorgen”, steht in den Grundsätzen des Tierschutzgesetzes geschrieben. Artgerecht sollen sie leben dürfen, ihren natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnissen gemäss. Jedenfalls “soweit es der Verwendungszweck erlaubt”, wie es im Gesetz einschränkend heisst. Doch was bleibt eigentlich vom Wohl der Tiere übrig, wenn wir unsere “Verwendungszwecke” – Ernährung, Bekleidung, Forschung, Unterhaltung, Luxus – an sie herantragen und sie nur noch als “Nutztiere” gebrauchen? Wie selbstverständlich und als würden solche Prozeduren das Wohl der Tiere nicht beeinträchtigen, werden sie sich selbst entfremdet, sie werden nummeriert, sozial beraubt, zwangsbesamt, eingesperrt, ausgestellt, gemästet, verfrachtet, geschlachtet und verarbeitet. Zuchtprogramme und Hightech im Stall optimieren am Laufmeter den Nutzen dieser “Ressourcen”, deren einziger Sinn und Zweck es offenbar ist, für uns da zu sein und von uns fast nach Belieben ausgebeutet zu werden. Wenn das Wohlergehen der Tiere überhaupt zählt, dann ist es für uns ein Gradmesser ihrer Produktivität: 300 Eier wollen wir von einer Henne in einem Jahr, 500 Kilogramm Lebendgewicht von einem Mastrind, 7.000 Liter Milch von einer Kuh, im Minimum. Wir haben das Dasein dieser “Nutztiere” längst in reine Arbeitszeit verwandelt. Dass die allermeisten von ihnen nur einen Bruchteil ihrer eigentlichen Lebenserwartung erreichen, dürfte uns nicht mehr bewusst sein. Sicher, Kälber leben kurz, Lämmer ebenso, das wissen wir. Aber Hühner, Schweine und Rinder? Kaninchen sind bereits nach 10 Wochen “schlachtreif”, Enten nach 3 Monaten, Nerze auf Pelzfarmen werden nach 7 Monaten vergast. Dabei könnten all diese Tiere 10 Jahre oder älter werden. Dass ihre Lebensdauer derart beschnitten wird, gilt von offizieller Seite übrigens nicht als Tierquälerei – und wird auch von den KonsumentInnen offenbar nicht als solche empfunden. Vielmehr gehört diese Tatsache zur Normalität eines kühl kalkulierten Verwertungssystems, das empfindungsfähige Wesen schleunigst und effizient in Gebrauchsartikel verwandelt. Ein langes und möglichst selbstbestimmtes Dasein zählt jedenfalls nicht zum viel zitierten “Wohlergehen” der Tiere.

Durchschnittliche “Nutzungs- und Lebensdauer” von Tieren im Verhältnis zu ihrer Lebenserwartung in gerundeten Prozenten (für die Lebenserwartung dieser Tiere in Jahren siehe Kasten unten)

42.0% nutzungsdauer_g Mutterschaf 42.0% nutzungsdauer_r Milchziege 30.0% nutzungsdauer_g Zuchtschwein 20.0% nutzungsdauer_r Milchkuh 12.0% nutzungsdauer_g Legehuhn 8.0% nutzungsdauer_r Lamm (Schaf) **6.5% **nutzungsdauer_g Stier 6.0% nutzungsdauer_r Nerz (Pelztier) 5.0% nutzungsdauer_g Mastschwein 4.0% nutzungsdauer_r Mastrind 2.5% nutzungsdauer_g Gans 2.5% nutzungsdauer_r Lamm (Ziege) 2.0% nutzungsdauer_g Kalb 2.0% nutzungsdauer_r Ente 2.0% nutzungsdauer_g Mastkaninchen 1.5% nutzungsdauer_r Pute 1.0% nutzungsdauer_g Masthuhn 0.0% nutzungsdauer_r Küken

Die Angaben zur Lebenserwartung variieren in Abhängigkeit von Tierarten und Rassen. Die nachfolgenden Zahlen bemessen sich nicht nach einem Leben von “wilden Tieren in Freiheit” (Ausnahme: Nerze), sondern beruhen auf Daten über domestizierte “Nutztiere”, die unter semi-natürlichen Bedingungen gehalten werden. Rind Lebenserwartung 25 Jahre Nutzungsdauer Stier 18 bis 20 Monate Nutzungsdauer Milchkuh 4 bis 5 Jahre Nutzungsdauer Mastrind 12 Monate Nutzungsdauer Kalb 6 Monate Schwein Lebenserwartung 10 Jahre Nutzungsdauer Zuchtschwein 3 Jahre Nutzungsdauer Mastschwein 6 Monate Schaf Lebenserwartung 12 Jahre Nutzungsdauer Mutterschaf 5 Jahre Nutzungsdauer Lamm 4 bis 12 Monate Ziege Lebenserwartung 12 Jahre Nutzungsdauer Milchziege 5 Jahre Nutzungsdauer Lamm 10 bis 15 Wochen Kaninchen Lebenserwartung 10 Jahre Nutzungsdauer Mastkaninchen 10 Wochen Huhn Lebenserwartung 12 Jahre Nutzungsdauer Legehuhn 17 Monate Nutzungsdauer Masthuhn 3 bis 8 Wochen Nutzungsdauer männliche Küken wenige Stunden Pute Lebenserwartung 15 Jahre Nutzungsdauer 8 bis 12 Wochen Ente Lebenserwartung 10 Jahre Nutzungsdauer 10 Wochen Gans Lebenserwartung 12 Jahre Nutzungsdauer 16 Wochen Nerz Lebenserwartung 10 Jahre Nutzungsdauer Pelztier 7 Monate Quellen: Tierpark Arche Warder // Norbert Benecke: Der Mensch und seine Haustiere (Stuttgart 2000)

Kommentare (6)

  • Franziska 12. Oktober 2010

    Nutztier ist ein seltsamer Begriff, aber entspricht der Wahrheit. Ob für ein Steak, Bratwurst, Mäntel, für den Winter, wir brauchen Nutztiere.

  • Hannes Benne 6. Oktober 2011

    @ Franziska: Wir brauchen keinesfalls Tiere für die Herstellung von Steak, Bratwurst usw.
    Es gibt genügend vegane Alternativen aus Seitan, Tofu, Lopino.

  • Jackie V Egan 6. Oktober 2011

    UND „Nutztiere“ gibt es nicht, die hat sich der UNmensch GEMACHT!! „Ob für ein Steak, Bratwurst, Mäntel, für den Winter, wir brauchen Nutztiere.“

    Denk mal etwas mehr über die Realität nach!!! Versetz Dich mal in deren Lage!! Nur weil sie anders aussehen, eine andere Sprache sprechen, aber Du sie nicht verstehen willst, heisst es nicht, dass sie keinen Schmerz oder Freude verspüren können!! SOOOO viele UNmenschen ohne Empathie auf dieser Welt, daher soviel Grauen und Leid! Nicht nur für Tiere…

  • Angela 19. Juli 2012

    Sehr guter, kurz und treffend formulierter Artikel. Danke, Wörter wie ‚Gebrauchsartikel‘ und ‚Verwendungszweck‘ werde ich in meinen Diskussionen mit Kadaveressern benutzen.
    Danke auch für die Statistik.

  • Wilbert Haas 1. Juni 2014

    Huhn 20 Jahre
    Schwein 21 Jahre
    Rind 30 – 60 Jahre
    Schaf 20 Jahre
    Pute 15 Jahre
    Ente 15 – 20 Jahre
    Gans 35 – 40 Jahre
    Kaninchen 10 Jahre

  • tamara müller 25. Februar 2015

    super beitrag um die menschen auf zu klären.

    es ist ein elend und ich verstehe nicht, warum so etwas vom tierschutz nicht verboten wird 🙁

    ich bin schon seit kind an vegetarierin und werde es auch bleiben!!

    lg

    und weiter so tif!

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