27Aug 13
Buchnotiz
„Wir lassen sie verhungern“ (Jean Ziegler)
Jean Ziegler: "Wir lassen sie verhungern" Bertelsmann Verlag 2012 319 Seiten, ca. CHF 28.--
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Jährlich sterben mehrere 10 Millionen Menschen an Hunger. Dabei hätte der Planet genügend Ressourcen für alle. Jean Ziegler, ehemaliger Sonderberichterstatter der UNO für das Recht auf Nahrung, hält den Hungertod für eine menschengemachte Massenvernichtung.
2010 waren 925 Millionen Menschen permanent schwerst unterernährt. Meist leiden sie an „strukturellem Hunger“, der auf Armut in den Ländern des Südens zurückzuführen ist und sich biologisch reproduziert: Kinder erben die Mangelerscheinungen der Eltern. In die Verantwortung nimmt der Schweizer Autor die „Mogule der transkontinentalen Agrarkonzerne“, die den globalen Agrar- und Lebensmittelmarkt weitgehend kontrollieren. Agrartreibstoffe, steigender Fleischkonsum und insbesondere die Spekulation auf Lebensmittel würden zu volatilen Preisen führen, und damit zu Hunger und Tod. Doch Ziegler formuliert auch Hoffnung: In der sogenannten Dritten Welt wachse auch Dank Via Campesina – eine internationale BäuerInnenbewegung – der Druck auf das agroindustrielle System. Daneben habe der Westen demokratiepolitische Instrumente zur Verfügung, um den Hunger einzudämmen, zum Beispiel ein Verbot auf die Spekulation mit Lebensmitteln.
Unvollständig sind jedoch Zieglers Lösungsvorschläge. Obwohl er dem Westen eine Schlüsselrolle zuspricht, nimmt er unser Konsumverhalten ungenügend in die Pflicht. In Anbetracht des steigenden Fleischkonsums, dessen Folgen auf die Weltmarktpreise von Mais, Weizen und Soja wiederholt thematisiert werden, hätte der Autor das kulinarische Potential zur Hungerbewältigung durchaus ansprechen können.
Dass viele Menschen hungern, dürfte bekannt sein. Doch wie Hunger ensteht, welche Folgen er hat und wie man ihn überwinden kann, davon liest man selten. Jean Ziegler kommt da mit seinem Buch gerade recht.
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