11Sep 13
Buchnotiz
„Ende der Märchenstunde“ (Kathrin Hartmann)
Kathrin Hartmann: "Ende der Märchenstunde" Karl Blessing Verlag 2009 383 Seiten, ca. CHF 33.--
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Mit der Wirtschaft, der Gesellschaft und dem Klima liegt einiges im Argen. Einen Hoffnungsschimmer bieten die LOHAS-KonsumentInnen, die sich dem Lifestyle of Health and Sustainability verschrieben haben. Sie sind der Ansicht, dass bewusstes oder strategisches Konsumieren die Welt retten kann. Weit gefehlt, findet die deutsche Journalistin Kathrin Hartmann, denn „es gibt kein richtiges Einkaufen im falschen Wirtschaftssystem“.
Ende der Märchenstunde schickt diesen Irrglauben bachab. Hartmann sieht in der „Öko-Welle keine politische Bewegung, sondern lediglich eine Auffrischung des Konsumgedankens“. Die Unternehmen reiben sich derweil die Hände: der „neogrüne Shoppingtrend“ kommt primär von Bessergestellten, die für Labels und Marken besonders tief in die Taschen greifen. Gleichzeitig verbessern die Konzerne ihren Ruf mittels „Werbung, die karitative Versprechen an den Kauf ihrer Produkte bindet“ (cause related marketing). Währenddessen lassen Erdbeerplantagen in Südspanien die Böden vertrocknen, Giftcocktails sorgen für Pestizidregen und weder Bio noch Fairtrade kommen aus ihrem Nischendasein heraus. Selbst die Wirkung von NGOs sei angesichts permanenter Streitereien und den Fokus auf Mitgliedereinnahmen marginal. Die Lösung sieht Hartmann im Aktivismus: „Wann, verdammt noch mal, fangen wir endlich an, uns an Bäume zu ketten?“
Für viele dürfte die Lektüre ein Schlag ins Gesicht sein: egal ob KonsumentIn, UnternehmerIn oder AktivistIn – alle nimmt die Autorin ins Gericht, hält sich mit Lösungsansätzen aber vornehm zurück. Dabei gäbe es insbesondere bei NGOs auch positive Beispiele. Die Erklärung von Bern (EvB) hat mit ihrer Rohstoff-Publikation gesellschaftliches und politisches Bewusstsein geschaffen. Nichtsdestotrotz sorgen die harten Fakten mit dem teils frechen Schreibstil für eine aufmüpfige Lektüre.
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