29März 13
Buchnotiz
„BSE, Vogelgrippe & Co.“ (Axel Philipps)
Axel Philipps: "BSE, Vogelgrippe & Co. – "Lebensmittelskandale" und Konsumentenverhalten", Transcript Verlag 2008, 217 Seiten, ca. CHF 36.--
Archiv
Dies ist ein Beitrag von unserer alten Website. Es ist möglich, dass Bilder und Texte nicht korrekt angezeigt werden.
Axel Philipps, BSE, Vogelgrippe & Co. – „Lebensmittelskandale“ und Konsumentenverhalten, Transcript Verlag 2008, 217 Seiten, ca. CHF 36.–
Alle Jahre wieder: ein neuer Lebensmittelskandal breitet sich aus. Der Unmut über die industrielle Landwirtschaft wächst. Doch ändern KonsumentInnen ihre Ernährungsgewohnheiten durch Lebensmittelskandale? Diese Frage verfolgt der Soziologe Axel Philipps in einer empirischen Studie.
BSE, Vogelgrippe & Co. umfasst einen theoretischen und einen empirischen Teil. Der Autor beginnt mit dem Prozess der Skandalisierung. Hinter einem Skandal stünden immer auch politische und massenmediale Einflüsse. Doch die SkandalrezipientInnen, die „die moralische Verfehlung aufgreifen und sich öffentlich empören“ gehören unweigerlich zur Aufruhr. Später geht Philipps spezifisch auf Lebensmittelskandale ein und arbeitet deren charakteristische Merkmale heraus. Auch allgemeine Überlegungen zur sogenannten Risikosoziologie, die abhängig von sozialen, kulturellen und lokalen Bedingungen ist, finden in der Lektüre Platz. Im zweiten, empirischen Teil der Arbeit analysiert der Autor Befragungen, die ergeben, dass die Ursachen von Lebensmittelskandalen „eng mit moralischen Verurteilungen wie Gewinnstreben der Erzeuger“ assoziiert werden. Schlussendlich versucht Philipps unterschiedliche Bewältigungsmuster zu identifizieren. Konkret suchen etwa Ernährungsbewusste verstärkt nach weiterführenden Informationen oder es kommt zur „Stilisierungen des Lebens durch besondere Verzichtleistungen (Vegetarier)“. Tatsächlich würden jedoch nur die wenigsten KonsumentInnen aufgrund politischer, ethischer oder ökologischer Motive reflektiert und selektiv einkaufen, sondern es wird vielmehr an „habituellen Ernährungsmustern“ festgehalten.
Die Lektüre zeigt, dass das Phänomen Lebensmittelskandal eine soziologische Betrachtung verdient. Obwohl dem empirischen Teil ein gewisses Alter anzumerken ist (die Schweinegrippe, EHEC oder der Dioxinskandal fehlen), bietet BSE, Vogelgrippe & Co. eine fundierte Analyse von gesellschaftlichen Prozessen bei Lebensmittelskandalen.
Noch keine Kommentare