Am 27. September 2026 können die Stimmberechtigten der Schweiz über die Ernährungsinitiative abstimmen.
Hier meine persönliche Meinung zu dieser Initiative: diese Initiative möchte, dass der Anteil in der Schweiz produzierter und konsumierter pflanzlicher Lebensmittel steigt und schlägt vor, über die Förderung des Anbaus und des Konsums solcher Lebensmittel einen Selbstversorgungsgrad von 70% anzustreben.
Das ist ein sinnvolles Anliegen, das sich für eine ressourceneffizientere und somit nachhaltigere Landwirtschaft einsetzt: aktuell wird in der Schweiz auf Ackerland viel Tierfutter angebaut in Form von Futtermais, Futtergetreide und Futterrüben. Es wäre viel sinnvoller und effizienter auf diesen Flächen stattdessen Lebensmittel für die menschliche Ernährung anzubauen. Erst recht da wir in der Schweiz eine Unterversorgung haben an Getreide und Leguminosen für die menschliche Ernährung und diese im grossen Stil importieren, während bei tierischen Produkten teilweise gar grosse Mengen exportiert werden müssen, weil in der Schweiz die Nachfrage nicht genügt.
Obwohl das Anliegen der Initiative vernünftig und nachhaltig ist, macht die Gegnerschaft schon seit geraumer Zeit mit absurden Parolen wie «Nein zum Veganzwang!» Stimmung gegen diese Initiative. Und sie macht das so erfolgreich, dass inzwischen sogar der Umweltverband Pro Natura, welcher die Initiative anfangs unterstützte, wohl aus Angst vor einem Imageschaden die Nein-Parole beschlossen hat. Ein sehr bemerkenswerter Vorgang bei einem ökologischen Anliegen.
Trotz der reisserischen Parolen lohnt es sich, die Argumente der Gegnerschaft genauer anzuschauen: Unter dem Titel vom «Veganzwang» argumentiert der Bauernverband, dass ein Selbstversorgungsgrad von 70% nur durch eine vegane oder nahezu vegane Ernährung möglich wäre. Ja, richtig gelesen: der Bauernverband sagt, dass durch vegane Ernährung ein höherer Selbstversorgungsgrad möglich wäre. Das ist eine wilde 180°-Wende zu pflanzenbasierter Ernährung: von Verteidiger:innen der Nutztierhaltung hiess es bis anhin fast durchs Band, dass vegane Ernährung in der Schweiz keinen Sinn mache, da aufgrund des Grünlandes in der Schweiz bei einem höheren Anteil pflanzlicher Ernährung der Selbstversorgungsgrad sinken würde. Nun bestätigt also der Bauernverband, dass mit einem höheren Anteil pflanzlicher Lebensmittel ein höherer Selbstversorgungsgrad möglich wäre. Er bestätigt damit auch, dass die aktuelle Schweizer Landwirtschaft in hohem Mass Ressourcenverschwendung betreibt. Und er gibt damit inhaltlich auch der Initiative Recht: mit mehr pflanzlichen Lebensmitteln wäre ein höherer Selbstversorgungsgrad und eine ressourceneffizientere Landwirtschaft möglich.
Das einzige, was der Bauernverband gegen die Initiative sagt, ist also, dass er das nicht möchte. Er möchte lieber die aktuellen verschwenderischen landwirtschaftlichen Förderstrukturen beibehalten, anstatt den Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln zu fördern, die nachhaltiger wären und für die es in der Schweiz tatsächlich einen Bedarf und eine Nachfrage gäbe.
Dass der Bauernverband trotz dem offenen Eingestehen, dass ihre Landwirtschaft nicht nachhaltig ist, die Stimmung so prägen kann, dass selbst Pro Natura einknickt, sollte zu denken geben. Und zeigt meiner Meinung nach zwei Dinge: erstens welche Diskursmacht der eng mit den Wirtschaftsverbänden verbundene Bauernverband bei Landwirtschaftsthemen bis weit in linke und ökologische Kreise hinein hat. Und zweitens welch überhöhte, romantisierte und unantastbare Stellung die Tierhaltung und insbesondere die Rinderhaltung in der Schweizer Öffentlichkeit hat.
Darum umso dringender: JA am 27.9.26 zur Ernährungsinitiative!
Jann Krättli, Biohof Tannacker, Rechthalten










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